AUSSTELLUNGEN

Goshas Malerei

Goshas Malerei führt uns an die Schnittstelle zweier Kulturen: einerseits wurzelt sie
technisch und thematisch in ihrer indischen Heimat, andererseits steht sie fest auf dem
Boden der westlichen Moderne. Tochter eines indischen Vaters und einer polnischen
Mutter, ist sie in Kaschmir aufgewachsen, 20 jährig nach Tokio übersiedelt, wo sie ein
Kunststudium absolvierte und lebt nun, seit beinahe 10 Jahren, in Hamburg.
Die Lust und die Freude am Gestalterischen hat sie von ihren Eltern geerbt, beides Künstler.
Und sie schaut mit dem Blick ihrer Heimat Kaschmir auf die Dinge, die sie darstellen will und
amalgamiert gleichzeitig der Tradition ihrer Heimat die Erfahrung der Fremde, Japans
ebenso wie die des westlichen Europas.
Und begegnen Miniaturen, Rollbilder und holzschnittartige Figurationen wie sie der persisch-
indischen traditionellen Darstellungsweise entsprechen, erweitert um fernöstliche
Kalligraphie mit breitem Pinsel, Tusche auf Papier. Aber auch Lithographien, an Picasso und
Matisse erinnernd, zeigt diese Ausstellung, daneben Öl/Acryl und Mischtechniken in
wasserlöslichen Farben.
Frau Gosha hat mit ihrer Malerei schnell Fuß gefaßt bei uns wie zahlreiche Einzel- und
Gruppenausstellungen in den letzten Jahren belegen, ohne dabei jedoch die Tollheiten und
Verrenkungen der Aufmerksamkeitsbuhlerei, die im Wesentlichen unseren gegenwärtigen
Kunstbetrieb der Medien und Märkte beherrschen, mitzumachen. Fernab aller Trends und
Strömungen arbeitet sie leidenschaftlich hingegeben der Suche nach Harmonie, nach der
Urform des Kosmos wie allen Lebens.
Der Kreislauf des Lebens, das ewige Spiel von Werden und Vergehen beschäftigt die
Künstlerin, ist Impuls für ihre Arbeit. Wie ein welkes Blatt sich langsam neigt, abstirbt und zu
Boden fällt; daneben ein anderes sich erhebt und frisch aufblüht – das ist so einfach und
unaufdringlich gestaltet. Da will niemand überzeugen, überreden, propagieren. Da gibt es
keine Manipulation und schon gar keine Ideologie – da gibt es nur den unverstellten Blick auf
alles natürlich Gegebene, und es gibt den symbolisch überhöhten Blick, wenn etwa die
Weltenkugel aufgefangen wird von einem einfachen Blatt.
Schwere, Dynamik, Beharrungsträgheit und Rasanz: all das wird für einen Moment außer
Kraft gesetzt. Das Blatt hebt und trägt des Kosmos, uns eingeschlossen, und es harmonisiert
Gegensätze, Gegenbewegungen und –strömungen. Dies ist mit breitem Pinsel in klaren,
schwingenden Linien hingesetzt. Bescheiden die Mittel, könnte man denken, aber diese
Bescheidenheit ist das Ergebnis höchster Konzentration und kontemplativer
Zurückgezogenheit. Die Linien bilden dabei stark umrissene Formen aus, von äußerster
Reduktion und Kargheit. Der Zustand der Kontemplation überträgt sich im Medium der
Malerei auf ihren Gegenstand. Blätter und Pflanzen, florale Ranken und Stile und immer
wieder das Bild des Menschen, reduziert auf die Charakteristika des Antlitzes. Großäugig
schauen diese Frauengesichter auf uns, umspielt die Züge von leiser Melancholie, so als
wüßten sie um alle Geheimnisse in der Welt, um alle Gebrechen und Bresthaftigkeiten. Der
Anflug von Trauer, der ihnen ebenso eignet, entspringt einem tiefen Wissen um die
Endlichkeit allen Seins. Mit sanfter Resignation, beinahe schon mit jenseitigem Blick, schauen
sie auf unser Tun und Treiben, so als wollten sie sagen: ganz gleich was immer ihr denkt und
macht, die Wirklichkeit ist stärker als jede Imagination, die Wahrheit ist bei den Dingen und
nicht bei den Bildern, die ihr euch davon macht, die ihr macht. Dies ist, so denke ich, eine
demütige Haltung. Da wird der Blick frei auf die Leidenschaft, hinter der Person der
Künstlerin.
Die Reduktion im Technischen, die Konzentration auf einfache Linien, macht die Farbe mit.
Schwarz und Weiß meist nur oder Schwarz auf Ziegelrot, das sind die Farben, die Goshas
Arbeit zunächst bestimmen. Daneben gibt es jüngste Arbeiten, wiederum Pflanzen und
Blätter, die weitgehend monochrom daherkommen, pastos der Farbauftrag, mit zum Relief
abzielender Kratz- und Spachteltechnik.
Unterstützt die Monochromie den Eindruck von Ruhe, Souveränität und Weltabgewandheit,
so zeigen die etwas älteren Miniaturen farbfreudige Aufgeschlossenheit und Gestaltungslust.
Zwischen sich immer mehr und stärker auflösender Konkretion und absolut informeller
Abstraktion kreisen Linien und Spiralen, flirren florale Gebilde in- und nebeneinander und
prätendieren Farbenspiele als Ausdruck von Sinneslust und Leidenschaft. Es ist die Lust am
Malen, die hier Oberhand gewinnt über die sonst so strenge Observanz der Gosha ` schen
Gestaltungskraft.

Bernd M. Kraske, Art Historian, Museum Director
Museum Rade am Schloß Reinbek
7. Juni 1998, Hamburg
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Gosha

„I have my eyes, I have my hands and I have my sense“ – these three come together in total
harmony”.
Mit diesen Worten beschreibt Gosha ihre künstlerische Tätigkeit. Egal, ob es sich dabei um
Druckgraphik, Glasmalerei, Holzschnitt, Tusche oder Kohlezeichnungen handelt. Die
künstlerische Emotion wird zum Maßstab für ihre Kunst.
Goshas Talent wird von japanischen Künstlern und Lehrern am Jyoshibi College of Fine Arts
in Tokio erkannt und gefördert. Hier lernt sie neue Techniken des Holzschnitts und der
Lithographie kennen und findet zu ihrem eigenen Stil und ihrem persönlichen Ausdruck.
Es sind versunkene, konzentrierte Arbeiten, die hier entstehen und die Goshas Blick auf die
Welt wiederspiegeln. Über ihren Arbeitsstil sagt sie: „If you are in deep silence with yourself,
the painting flows.”
Die Stille, die Sublimierung, aber auch eine bewusst eingesetzte Vereinfachung sind die
Eigenschaften, die Goshas Arbeiten charakterisieren.
Um 1980 entstehen Arbeiten, die sich vor allem auf das weibliche Porträt konzentrieren. In
diesen Bildern betont Gosha die Linie und die Flächigkeit. Mit harten und weichen, mit feinen
und derben Konturen wird der Umriss des Gesichtes oder der Figur betont, mit
geschwungenen fließenden Linien und zügigem Pinselstrich die Form erarbeitet. Gosha
bevorzugt schwarze Farbe auf hellem Hintergrund, gelegentlich wird intensiv Farbe
eingesetzt – je nach Gefühl. Denn in jedes Bild lässt Gosha ihre Empfindungen fließen.
Gosha wählt und setzt die Farben analog zu ihren Gefühlen. So ist die warme
Farbkombination von Orange- und Rottönen     beispielsweise voller Sinnlichkeit; erst die
schwarzen Konturen formen das Gesicht oder die Figur und stellen sie puristisch anmutend
heraus. Ernsthaft und einfühlsam geht Gosha mit ihren gemalten Figuren um. Das Bild wird
zum Träger von Goshas seelischem Empfinden. Ihre Gesichter stehen niemals für eine
bestimmte Person sondern immer für einen Ausdruck und sind zugleich Sinnbilder für das
Nichtgreifbare des Lebens. Goshas Menschen stehen für Begriffe wie Liebe und Trauer,
Nachdenklichkeit und Freude.

Um 1998 greift Gosha auch andere Motive und Themen in ihrer Kunst auf, gelegentlich mit
Tendenz zur Abstraktion. So entstehen Ölbilder wie z.B. die gleichzeitige Darstellung
blühender und verwelkender Laubblätter, die symbolisch für den Kreislauf von Leben und
Tod, für das Werden und Vergehen in der Natur stehen. Die Natur ist für Gosha ein
wichtiger künstlerischer Impuls, denn in der Natur kommt sie mit dem Leben in Berührung.
Die Natur lügt nicht, weiß Gosha, und sieht in ihr ihren ehrlichsten und treuesten Lehrer.  
In den letzten fünf Jahren hat sich Gosha mit dem Bemalen von Glas befasst, in erster Linie
Gebrauchsgläser wie Wind- und Teelichter. Auch hier wird die Farbe als Stimmungsträger
eingesetzt. Gosha mischt alle Farben selbst an. Jede Farbe wird nuanciert und bedacht
eingesetzt, wenn Gosha kleine Symbole und Ziffern, figürliche und abstrakte Motive in
zarten und groben Pinselstrichen auf das Glas malt. Kein Glas gleicht dem anderen. Bei jedem
Glas handelt es sich um eine einzigartige, wunderschöne und herzerwärmende Kostbarkeit.

Farbe und Form sind die Medien, mit denen Gosha ihre innere Befindlichkeit, die
harmonische Übereinstimmung von Geschauten und Gemaltem, zum Ausdruck bringt.
Gosha entzieht sich einer stilistischen Zuordnung, da es ihr um den einzigartigen Moment,
um das individuell Erfahrene und Erfahrbare im Leben geht.
Die Quelle von Goshas Kunst ist ihre innere Wahrnehmung, ihr Einfühlungsvermögen und
ihre Weisheit. Sie bestimmendas Poetische ihrer Kunst.  Gosha stellt ihre Kunst in den
Kreislauf des Lebens und fordert den Betrachter auf, daran teilzunehmen.

Gosha arbeitet in einem wunderschönen Atelier in Eppendorf, wo sie seit 17 Jahren mit
ihrem Sohn Toshi und ihrer Katze Kama lebt. Gosha freut sich über jeden Besucher und man
lernt bei ihr nicht nur die Kunst kennen, sondern erfährt auch etwas über das Leben.

Linde Rohardt,
Art Historian, Kunsthalle Hamburg
January 2005, Hamburg
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Serendipity
Harmonisches Zusammenkommen
Vernissage am 8. März 2008

Herzlich willkommen hier in den Räumen von primaDonna, dem Kultur- und Bildungsbereich
des Vereins Frauenzentrum Potsdam.
Heute ist der INTERNATIONALE FRAUENTAG – und international geht es heute auch bei
uns zu: Kunst, Büffet und Film.
Ich freue mich, dass Sie, an diesem Samstag Morgen, hier her gekommen sind:
Serendipity – Harmonisches Zusammenkommen- so heißt die Ausstellung die Gosha
Nagashima-Soden für uns zusammen gestellt hat.
Herzlich willkommen Gosha!
Serendipity – ein Wort, welches nicht unbedingt zum englischen Grundwortschatz gehört.
Lassen Sie uns dieses Wort doch einfach mal gemeinsam laut aussprechen: Serendipity...
Serendipity
A harmonious coming together                 Harmonisches Zusammenkommen
A beautiful coming together by chance     Zufällig- ein schönes Zusammenkommen
A harmonious encounter                           Eine harmonische Begegnung

Wörtlich übersetzt bedeutet SERENDIPITY
1.    Spürsinn
2.    glücklicher Zufall
3.    mehr Glück als Verstand
4.    zufällige Entdeckung

International- Gosha Nagashima-Soden: indisch und polnische Wurzeln, wuchs in Kaschmir
und Polen auf, Studium und Leben in Japan. Seit einem Jahr lebt sie in Potsdam (NICHT in
Berlin!) und hat mitten in der Stadt ihr Atelier, in dem BesucherInnen herzlich willkommen
sind.

„Ich wünschte, ich brauchte nicht zu schlafen, um alle Ideen, die ich im Herz und im
Kopf habe zu verwirklichen!“ Morgens stehe ich auf, gehe ins Atelier und arbeite. Alles ist
ein Prozeß. Es gibt kein „best of“ – I´m looking for something! Kind of struggle with myself.
Finish: picture - let it go!
“You are behind the picture .”– tension during the work/ Spannung- Anspannung
“Painting must talk. If it talks to you- it´s fine!”

Ich wünschte ich hätte endlos Zeit! Arbeit- Lebenszeit – Künstlerin
Wenn du´s nie richtig ruhig hast, kann nichts Neues/Frisches entstehen.
silent watching: Du arbeitest ständig, schaust ständig.
„Look – you have nothing else to do..“ deine Augen sind so wichtig.
Kombination von innerem Wissen mit neu Gesehenem
Es geht um den einzigartigen Moment, um das individuell Erfahrene und Erfahrbare im
Leben. „I look all the time!“ to come to the real things – essence!
Hauptthemen: FORM- LICHT- LINIE
Alles startet mit einer Form.
“I like, what is.” Inspiriert von Natur (nature = pure art= it´s a treasure), Gang der
Jahreszeiten Aus der Beobachtung von Dingen im Wandel schöpft Gosha ihre Inspiration, z.
B. das täglich neu zu erlebende Werden und Vergehen in der Natur, welches sie direkt vor
ihrer Haustür in ihrem Garten beobachten kann.
I´m an artist – need no language, ich höre zu
Silence in my work
“If you are in a deep silence with yourself, the painting flows.”
Ihre Kunst ist eine stimmige Kombination eines kreativen Geistes und Blickwinkels, einer
sicheren Hand und außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten.
Quelle von Goshas Kunst: ihre innere Wahrnehmung, ihr Einfühlungsvermögen und ihre
Weisheit.
“I have my eyes, I have my hands and I have my sense.”
Ich arbeite mit Augen und Händen.
“It´s like micro and macro!” Glasgefäße – gr. Leinwand Farbe als Stimmungsträger, Gosha
mischt alle Farben selbst aneigene Farben, sie möchte wissen, was drin ist, Pigmente
Glasgefäße, handgemalte Unikate, Spiel mit dem Licht: Kerze drin – Lichtwechsel- Muster
und Farben erfahren bizarre Wandlungen.
Manchmal arbeitet sie drei Wochen an einem Glas.
Nicht das Ergebnis ist das Wichtigste, sondern der Weg dorthin.
Questions are welcome Workshop with Gosha in summer
When you not look at art, it´s not alive!
Lassen wir die Kunst lebendig werden – hier bei uns. Und dabei: uns begegnen.
In Harmonie. Serendipity...

Katrin Winkler, Kulturmanagerin, Potsdam
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Serendipity
Harmonisches Zusammenkommen

Eine Künstlerin, deren Werke die Vergänglichkeit und die Ordnung, die Schönheit und das
Leid des Lebens widerspiegeln. Eine Künstlerin, die als Tochter eines indischen Vaters und
einer polnischen Mutter immer schon zwischen den Welten wanderte.

Sie möchte durch ihre Kunst dem Betrachter nichts Eindeutiges sagen, denn sie meint, dass
die Kunst erst durch den betrachtenden Menschen Lebendigkeit erfährt.
Kunst ist Gefühl. Und so glaubt sie, dass das „Bild für sich sprechen muss. Es ist wie bei einem
Kind: Du gibst ihm das Beste, aber Du weißt nicht, wohin es geht.“

Ihre Werke sind nicht starr und fest, und dennoch Bilder wunderschöner Ordnung.  
So findet sich in jedem ihrer Werke die Wandlung, die Ambivalenz des Lebens,
die sich in jedem Augenblick erspüren lässt.
Was gerade noch war, ist bereits nicht mehr.

Ihr Schaffen und Wirken ist getragen davon, in der immerwährenden Spannung und
Ambivalenz des Lebens eine Einheit zu erkennen und Visionen zu entwickeln.
Dazu bedarf es eines tiefen Vertrauens, einer Achtsamkeit und eines bedingungslosen
Verstandes, Motive und Einstellungen ihres Lebens.

Seit 2007 wohnt und arbeitet Gosha in Potsdam und stellt in ihrer eigenen Galerie in der
Dortustr. 55   Bilder und  Handgemaltes Glas aus.

Ich freue mich, diese Ausstellung im Rahmen der internationalen Frauenwoche zeigen zu
können.

Katrin Winkler, Kulturmanagerin, Potsdam
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Reflective Mind - Altes Rathaus, 2008, Potsdam

Eröffnungsansprache zur Vernissage der Ausstellung „reflective mind“ mit Malerei und
Zeichnungen und Druckgraphik von Gosha Nagashima-Soden im Alten Rathaus Potsdam am
6. Oktober 2008

Es gibt eine Wahrheit, die auch auf Personen, die von Berufs wegen mit Kunst zu tun haben,
entwaffnend wirkt: Ein gutes Kunstwerk spricht für sich, die Wahrheit liegt ganz allein bei
ihm. Es muss für sich allein bestehen. Ein Bild, das für sich spricht, sich aus eigener Kraft
mitteilt, benötigt keine Übersetzungshilfe, keinen ergänzenden Kommentar. Gestatten Sie
mir dennoch an dieser Stelle einige einführende Worte, um Sie mit der Künstlerin Gosha
Nagashima-Soden näher bekannt zu machen. Erst vor einem Jahr ganz neu in Potsdam
angekommen, ist sie hier bislang noch nicht so bekannt.

Vielleicht wird man Gosha am ehesten gerecht, wenn man sie als eine Universalistin
beschreibt. Aufgewachsen zunächst in Kaschmir, dann in Polen, war die Tochter eines indisch-
polnischen Künstlerpaares von Geburt an mit sehr unterschiedlichen kulturellen Prägungen
konfrontiert. Mit Anfang 20 entschied sich Gosha nach Tokyo zu gehen. An der Joshibi
University of Art and Design hat sie sich ihren heißen Wunsch erfüllt, Kunst zu studieren.
Ebenfalls in Tokyo wurde ihr Sohn Toshi geboren. Im Alter zwischen 20 und 30 nahm Gosha
die Einflüsse der japanischen Kultur tief in sich auf. Auf Japan folgte Deutschland. Hier hat die
Künstlerin fast 20 Jahre lang in Hamburg gelebt. Der immer wieder neu unternommene
Versuch, sich in extrem unterschiedlichen Kulturen zu verwurzeln, ließ Gosha mehr und
mehr erkennen, wo sie selbst steht.
Wenn sie nun ihrer ersten offiziellen Ausstellung in ihrer neuen Wahlheimat Potsdam den
Titel „reflective mind“ verleiht, geschieht das selbstverständlich nicht von ungefähr. Ganz im
Gegenteil liegt darin eine ganze Menge Selbst-Offenbarung. Denn was Gosha mit „reflective
mind“ umschreibt, ist Spiegel ihrer inneren Haltung und bildlicher Ausdruck für ihren Blick
auf die Welt. Indem sie intensiv hinschaut und hinhört, verbindet sich die Künstlerin mit
Menschen und Eindrücken einer Landschaft, einer Stadt. Das Erlebnis einer jungen Mutter,
die ihr Neugeborenes an sich schmiegt, taucht wie von selbst in der Kunst wieder auf. Hier
nimmt es Gestalt an: in einer ganzen Serie von Zeichnungen, von denen sie eine hier sehen.
Für weitere Impressionen sorgen die Spaziergänge der Künstlerin durch Potsdam. Vom
ersten Moment an ist sie beeindruckt von dem teils morbiden Charme dieser
geschichtsträchtigen Stadt. Die jüngsten Bilder Goshas, die noch ein bisschen den Geruch
frischer Ölfarbe verströmen, spiegeln ihren Versuch wider, sich malend dem besonderen
Flair Potsdams anzunähern. Die charakteristische Farbe der alten Hausfassaden hat sich wie
eine zweite Haut über die „Birke mit Mistelzweig“, den „Engel für Potsdam“ und das
Gemälde namens „reflective mind“ gelegt.
Mit einer malerischen Dokumentation konkreter Situationen und Erlebnisse haben jedoch
weder die erwähnten Ölgemälde noch die daneben gezeigten Tuschzeichnungen aus der
Serie „walking in potsdam“ etwas zu tun. Selbst wenn die Künstlerin – wie im Falle der
kleinen Zeichnungen – im Freien vor dem Motiv arbeitet, ist es nicht ihr Interesse, die
Dinge  im Verhältnis 1:1 in die Fläche zu übertragen. In dem Augenblick, wo sie etwas sieht
und festhält, hat sie sich schon von dem Vorbild gelöst. Nicht eine Sekunde lang geht es
Gosha um einen Abbildungsprozess in realistischer Manier. Ihre Malerei und ihre
Zeichnungen werfen die eigenen Empfindungen wie ein Echo zurück. Auch dies ein Aspekt
des „reflective mind“ als ein Bewusstseinszustand, indem Erlebnisse, Eindrücke und
Emotionen übersetzt werden in Farben, Formen, in Licht und Dunkel und in den Rhythmus
der Linien oder einer Kontur.

Goshas Kunst ist geboren aus der Intuition. Um Gestalt anzunehmen – in welcher Form auch
immer, sei es als Malerei, Zeichnung, Druckgraphik, Glasmalerei oder Keramik – wird der
Zustand innerer Ruhe und Kontemplation zu einer conditio sine qua non, zur unabdingbaren
Voraussetzung. Nur dann steigen die inneren Bilder an die Oberfläche hoch und verlangen
danach, Gestalt anzunehmen. Diese Vision von dem zu schaffenden Werk gibt Gosha den
entscheidenden Impuls für den künstlerischen Akt.
Bemerkenswert ist: mit der selben Hingabe entwickelt die Künstlerin eine Tuschzeichnung,
arbeitet an einem Ölgemälde oder widmet sich der minutiösen Malerei filigraner
Blütenranken auf Glas. Wenn auch unterschiedlich in der Anmutung, sind der lockere,
großzügige Pinselstrich und die feine Miniaturmalerei auf Glas in Wahrheit ganz unmittelbar
miteinander verwandt. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar, oder anders formuliert:
beide Ausdrucksformen bedingen sich gegenseitig. Dabei wirkt die eine auf die andere zurück.
Ob Gosha nun auf Leinwand oder Glas malt, ob sie zeichnet oder mit Keramik plastisch
arbeitet: in der Herangehensweise bleibt sich die Künstlerin treu. Einflüsse der indischen und
japanischen Kunst dokumentieren sich im Einsatz entsprechender Malmittel und Techniken.
Neben der charakteristischen schwarzen Kalligraphie-Tinte verwendet Gosha mit Vorliebe
auch jene orange-rote Shu-Tinte, deren Verwendung in Japan traditionellerweise allein den
Lehren zu Korrekturzwecken vorbehalten ist. Statt zur Tube zu greifen, rührt und mischt
sich Gosha alle ihre Malmittel nach eigenen Rezepturen an. Die Lust am Experimentieren,
am Ausprobieren überträgt sich auch auf die gesamte Arbeitsweise. Immer wieder greift
Gosha daher auf verschiedenen Formen der Mischtechnik zurück. In den Zeichnungen gehen
Tusche und Wasserfarben neue Verbindungen ein. In viele Gemälden wird geritzt und
gezeichnet, bevor die Ölfarbe ganz getrocknet ist. So auch in der Serie der „white flowers“,
die die Malerin wie so oft auf unbehandelte Leinwand malt. An vielen Stellen schimmert die
grobe Leinenstruktur durch und bildet zur hellen Farbigkeit des Bildes einen reizvollen
Kontrast.

Gosha hat neulich halbwegs mit Heiterkeit, halbwegs mit Bedauern gesagt: „I’m a printer
without a printing press and a potter without an oven.“ In Ermangelung also einer
Druckerpresse und eines Keramikofens beschränkt sich die universell agierende Künstlerin
zurzeit auf die Zeichnung und die Malerei. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen,
kann man in ihrer Kunst beobachten, wie sich beispielsweise in der Malerei
Gestaltungselemente der Druckgraphik wieder finden und umgekehrt. Druckgraphische
Arbeiten aus dem Werk der Künstlerin sind in dieser Ausstellung am Beispiel von
Radierungen, Lithographien und Linolschnitt aus früheren Jahren  zu sehen.
Für die Arbeitsweise Goshas charakteristisch ist, dass sie an Gewesenes immer wieder gerne
anknüpft. Die Offenheit für neue Ausdrucksformen und die Wiederaufnahme früherer
Themen und Techniken gehen Hand in Hand.
Auch wenn es gewisse Vorlieben für bestimmte Motive wie für pflanzliche Formen, für die
weibliche Figur oder Porträts gibt, entwickelt sich die Kunst Goshas gleichzeitig in die
Freiheit der Abstraktion als Loslösung vom Gegenstand.
Betrachtet man die künstlerische Arbeit Goshas als einen Prozess anhaltender Suche nach
authentischen Antworten auf die Fragen des eigenen Seins, so liegt ein Schlüssel des
Verstehens darin zu definieren: was nicht ist. Indem sie konsequent weglässt, was im Hinblick
auf die Aussage einer künstlerischen Arbeit unwesentlich, ja überflüssig ist, beschreitet Gosha
mehr und mehr den Weg der Abstraktion. Abstraktion verstanden als Reduktion und
Verdichtung auf das, was wirklich wesentlich ist. Um zu der Einfachheit und Leichtigkeit zu
gelangen, die insbesondere Goshas Arbeiten auf Papier auszeichnen, ist in der Vorstufe ein
langer, nicht selten mühevoller Prozess notwendig. Er ist erst dann vollendet, wenn sich ein
Kunstwerk maximal an die Ausgangsvision angenähert hat. Dieser Prozess geht einher mit
Reifung und braucht für seine Vollendung Zeit, Ausdauer und sehr viel Raum.
Um das Gemälde mit dem Titel „Eclipse“ („Finsternis“ – von Sonne oder Mond) fertig zu
stellen, war zunächst ein kompletter Umzug zu von Hamburg nach Potsdam zu bewältigen.
Denn als Gosha mit ihrem Mann Grahame vor einem Jahr die Remise im Hof der
Dortustraße 55 bezog, um sich diese Schritt für Schritt zu dem heutigen stimmungsvollen
Galerie-Atelier auszubauen, war es just das unter dem Titel „Eclipse“ vollendete Gemälde,
das die Malerin erst wirklich in Potsdam ankommen ließ. Als ihr im größten Umzugschaos das
unfertige Bild in die Hände fiel, war ihr mit einem Mal klar, welche Wendung das Bild
nehmen musste, um fertig zu sein. Entstanden ist, Farbschicht für Farbschicht, ein sich
verschwiegen gebendes Gemälde. Abhängig vom Lichteinfall hüllt es sich, ohne auch nur die
geringste Zutat von Schwarz, in bedeutungsvolle Dunkelheit.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich lade Sie nun ein, in Goshas Bildern mit
eigenen Augen auf Entdeckungsreise zu gehen und mit der Künstlerin ins Gespräch zu
kommen.

© Almut Andreae, Oktober 2008

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friedrich-Potsdam, 30.04. 2010
http://www.friedrich-potsdam.de/index.php/artikel-im-heft/45-schoenes-ding-glas-al
s-leinwand

Schönes Ding: Glas als Leinwand

Die Windlichter der Potsdamer Künstlerin Gosha Nagashima-Soden

Die Wände im Atelier der Künstlerin Gosha dienen der Ausstellung ihrer vielfältigen
Malereien, die Räume sind hell, freundlich und ungeheuer einladend. Sie scheinen wie ein
Spiegel ihrer selbst, denn tritt man ein, bekommt man sofort ein offenes Lächeln, das Mut
macht, näher zu treten und sich umzuschauen.

Die Künstlerin, Tochter einer Polin und eines Inders, erkannte bereits früh ihre Profession
und ging mit 19 Jahren nach Tokio, um dort an der Joshibi University of Art & Design Kunst
zu studieren.

Beeinflusst von der fremden Kultur, wirkt sie schon seit dreißig Jahren als Malerin, erst in
Japan, später auch in Deutschland Im Laufe der Jahre wurden ihre Arbeiten vielfältiger und
sie probierte sich neben dem Malen auch in der Keramik und im Bemalen von großen und
kleinen Windlichtern. 1999 begonnen, hat sie seitdem 17.000 dieser absolut einmaligen
Kunstwerke geschaffen, die man ob ihrer Einzigartigkeit sogar in einer Dauerausstellung des
Glasmuseums Baruther Glashütte findet.

Einige hundert dieser Unikate kann man in ihren Räumen in der Dortustraße 55 bestaunen
und selbstverständlich auch käuflich erwerben. Wer sich in diese kleine, verträumte Remise
verirrt, um eines der Windlichter zu erstehen, wird allerdings schnell vor die Qual der Wahl
gestellt. Inspiriert von der Natur und ihren Jahreszeiten, von den eigenen Stimmungen und
der aktuellen Schaffensphase, sind die Windlichter der Künstlerin unglaublich unterschiedlich
und jedes für sich sehr gelungen. Da hilft nur das langsame Filtern. Auf einem großen
Holztisch kann man seine Favoriten ausbreiten, kombinieren, wieder verwerfen und kommt
so schließlich, mit viel Geduld und Ruhe, zu dem einen (oder zu zweien, dreien...!), das zu
einem passt und unbedingt mitgenommen werden muss.

Und wer einmal hier war, das zeigt Goshas Erfahrung, der wird immer wiederkommen und
die eigene Sammelleidenschaft in sich entdecken! [Andi]

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POTSDAM-KULTUR

„In Goshas Kopf sind tausend Bilder“

Die indische Künstlerin Gosha Nagashima-Soden hat in Potsdam eine Galerie
eröffnet (22.11.07)

Ihren ersten öffentlichen „Auftritt“ in Potsdam wird sie in einer Holzhütte auf dem
Weihnachtsmarkt des Kronguts haben. Für die indische Künstlerin Gosha Nagashima-Soden,
die ihre Werke bereits in internationalen Galerien und Museen ausgestellt hat, scheint dieses
Eintauchen ins Menschengetümmel genau das Richtige, um sich ihrer neuen Heimatstadt
annähern zu können. Sie freut sich auf einen engen Kontakt und hält auch ihre gerade fertig
ausgebaute Privatgalerie für Besucher offen.

Dort wird der Gast derzeit mit knisterndem Kaminfeuer und wärmendem Kräutertee
empfangen. Die unverputzten Backsteinwände in ihrer Remisenwohnung im Hinterhof der
Dortustraße stehen in einem spannenden Kontrast zu den bis zur Decke aufragenden
Regalen mit zarten, farbenprächtigen Glasgefäßen, die das hereinfallende Licht zum Funkeln
bringen. Gosha hat bereits Tausende dieser kleinen und großen Gebrauchsgefäße, wie Wind-
und Teelichter, mit immer neuen Dekoren versehen: jedes ein Gedicht, das den Wandel
durch die Jahreszeiten beschwört. Luftige Frühlingstöne im zarten Rosa und Grün bis zu
satten Rot- und Goldtönen des Herbstes zieren die Behältnisse. Und auch die klirrenden
kalten Wintertage spiegeln sich in ihren blau und weiß bemalten Schöpfungen in klaren
Akzenten wider.

Die vielen kleinen Töpfchen, aus denen sie ihre Farben zusammen mischt, stehen
wohlgeordnet neben den verschiedensten Pinseln auf dem großen schweren Schreibtisch aus
dunklem Eichenholz. Während unseres Gesprächs hat sich der dicke schwarze Kater auf dem
Künstlerstuhl niedergelassen, auf dem sonst Gosha oft bis in die Nacht hinein mit sicherer
Hand das Glas mit floralen und ornamentalen Gespinsten überzieht. Mal ganz dicht auf der
Fährte der Natur, dann wieder mit freien abstrakteren Formen.

Bei Gosha ist nichts festgezurrt, sie mag es, zwischen den Formen und Stilen zu wandern,
ihren Blick vor- und zurück zu zoomen: Die große Welt im Kleinen zu finden und
umgekehrt. Auch aus ihren Bildern spricht dieser wechselnde Focus. In den Frauenporträts
dominiert der breite Strich und die Flächigkeit, die mit feinen Linien aufgebrochen wird. Eine
leise Melancholie und Erdenschwere schaut aus den Gesichtern.

Man spürt in dem lustvollen Schwingen zwischen filigran-verspielten und reduziert-kargen
Formen, dass sich hier eine kosmopolitische Frau mühelos über Grenzen hinweg setzt. Gosha
atmete von klein auf diese Weltoffenheit: ihr indischer Vater und die polnische Mutter waren
beide Künstler. Und die 1957 geborene Tochter lernte von ihnen wohl auch, dass man mit
der Kunst im Herzen überall Zuhause sein kann. Mit Zwanzig verließ Gosha die Region
Kaschmir, um in Tokyo am Jyoshibi College of Fine Arts zu studieren und auch die Kalligrafie
zu erlernen. „Meine größte Liebe ist die Natur und in Japan ist die Kunst sehr von der Natur
beeinflusst. Ich kann die Schönheit sehen, überall, in jeder Blume. Und eine sich bewegende
Hand erinnert mich an einen Baum im Wind. Alles ist in Verbindung.“

Als sie 1989 nach Hamburg kam und den Boden der westlichen Moderne betrat, fühlte sie
sich keineswegs entwurzelt. „Europa ist analytischer, während man in Japan mehr reflektiert.“
Aber es stellten sich auch neue Fragen, die immer wieder ihr Motor sind. „Meine Antworten
suche ich in Linien, Formen und Farben. Dabei habe ich kein kompliziertes Denken. Ich gehe
mit meinen Augen auf die Reise und trage oft eine lange Zeit die Bilder mit mir herum.
Wenn ich arbeite, kann ich die Augen schließen, dann finden sie wie von selbst den Weg.
Kunst ist, was du fühlst.“

„In Goshas Kopf sind 1000 Bilder“, sagt liebevoll Grahame Soden, ihr englischer Mann, der als
Fotograf arbeitet, und mit Gosha die Galerie betreibt. Vor neun Monaten verließen die
beiden Hamburg, um sich der Hektik des Großstadtlebens zu entziehen. Sie strahlen vor
Glück, wenn sie in ihrem kleinen Garten stehen, in dem die Äpfel auf der Bank liegen und
noch eine vereinzelte Blüte der englischen Rose der Kälte trotzt. „We are so happy“,
begeistern sich die beiden immer wieder: über ihr neues Zuhause und über die Menschen, die
ihnen in Potsdam so freundlich und hilfsbereit begegnen. Und für die sie selbst gern ihre Tür
öffnen. Gosha hofft, dass sie hier wie andernorts Liebhaber ihrer Arbeiten findet.

„Die Kunst kann leben, wenn Menschen sie sehen. Das Bild muss für sich sprechen. Das ist
wie bei einem Kind: Du gibst ihm das Beste mit, aber du weißt nicht, wohin es geht.“

Die Galerie befindet sich in der Dortustraße 55, die Künstlerin würde sich über eine
telefonische Voranmeldung freuen: 0331-2732383.
POTSDAM-KULTUR

Weibliche Visionen

Ausstellung und Film zum Internationalen Frauentagsbrunch im Autonomen
Frauenzentrum (03.03.08)

Für sie war es Liebe auf den ersten Blick. Als Gosha und ihr Mann Grahame Soden zum
ersten Mal nach Potsdam kamen, waren sie auf der Stelle so begeistert, dass für beide binnen
kürzester Zeit feststand, von Hamburg kommend hier neue Wurzeln zu schlagen. Vor einem
Jahr genau, am 1. März 2007, bezog das Künstlerpaar die im Hinterhof der Dortustraße 55
gelegene Remise und verwandelte sie in ein Wohn- und Atelierhaus, in dem man schon beim
Eintreten das Alltagsgetriebe vor der Tür unwillkürlich vergisst.

Regale mit unzähligen, in allen Farben leuchtenden Gläsern ziehen sich bis unter die hohe
Decke. Große und kleine Bildformate schmücken die Wände oder stehen scheinbar zufällig
abgestellt im Raum. Mit leuchtenden Augen erzählt die englisch sprechende Gastgeberin
davon, dass sie „a richtiger Potsdamer artist“ werden will und schwärmt von dem Charme
der noch im Werden begriffenen Stadt. Aus der Beobachtung von Dingen im Wandel, von
Veränderungen und Prozessen schöpft die Künstlerin Gosha Nagashima-Soden ihre
Inspiration. Das kann der Pulsschlag einer Stadt sein oder das täglich neu zu erlebende
Werden und Vergehen in der Natur. Die Künstlerin sieht, beobachtet und nimmt die Impulse
mit hinein in ihre Kunst.

So entstehen auch ihre „Goshaglass“-Serien, bei der jedes handbemalte Glas zum Unikat
wird. Ornamentale Muster und Blütenranken in jeder nur erdenklichen Farbnuance von
Silbrig-Weiß über Rot-Golden bis Blau-Türkis verzieren einfache Glasformen in vier
unterschiedlichen Größen. Die Farben stellt die Künstlerin mit hierfür geeigneten Pigmenten
selber her und hüllt das Glas mit haarfeinen Pinseln und ruhiger Hand in ein filigranes
Gespinst, das im wechselnden Licht verführerisch schimmert.

Eine Auswahl Goshas handbemalter Gläser, ihrer Frauenporträts und weitere Arbeiten
werden nun in Kürze erstmals in Potsdam im Rahmen einer Personalausstellung zu sehen sein.
Als Initiatorin und Gastgeberin des Projekts „Serendipity – Harmonisches Zusammenkommen
“ zeichnet Katrin Winkler, Kulturmanagerin des Autonomen Frauenzentrum Potsdam e.V.
verantwortlich. Ihre eigene Faszination für die Kunst Gosha Nagashima-Sodens möchte sie im
Rahmen der 18. Brandenburger Frauenwoche an möglichst viele Menschen weitergeben. Den
„Internationalen Frauentagsbrunch“ am 8. März wird sie um 10 Uhr mit der Ausstellung
(Zeppelinstraße 189) beginnen. Wer die Künstlerin mit dem ungewöhnlichen Namen näher
kennen lernen möchte, wird hier unter anderem mehr über ihre indisch-polnischen Wurzeln
und ihre Jahre der Ausbildung am Jyoshibi College of Fine Arts in Tokyo zur bildenden
Künstlerin erfahren.

Die Internationalität der vielseitig kreativen Künstlerin verspricht, dem Frauentag in Potsdam
eine besondere Note zu verleihen. Als weiterer Höhepunkt ist die Vorführung des für den
Adolf Grimme Preis 2008 nominierten Films „Roots Germania“ der afrodeutschen
Regisseurin Mo Asumang angekündigt, mit dessen Ausstrahlung das Autonome Frauenzentrum
Potsdam ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus setzt.Almut Andreae

Vernissage „Serendipity – Harmonisches Zusammenkommen“ mit Bildern und Objekten von
Gosha Nagashima Soden am 8. März um 10 Uhr in den Räumen von primaDonna/Café des
Autonomen Frauenzentrums Potsdam e.V., Zeppelinstraße 189. Bis 20. Mai. Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9-12 Uhr.
Von Heidi Jäger
Verletzlich

Gestern wurde das 12. Festival der Frauen eröffnet / Gosha erzählt vom Werden
und Vergehen (07.10.08)

Schwarz kann viele „Farben“ haben. Es zeigt Düsternis und Schwere, Kraft und Melancholie,
Ende und auch Anfang. Im geschützten Dunkel der Erde reift wie im Mutterleib neues Leben
heran, um nach den Jahren der Blüte und des Verfalls wieder zu Erde zu werden. Die indische
Malerin Gosha Nagashima-Soden durchschreitet in der Poesie ihrer Bilder diesen
immerwährenden Kreislauf. In ihrem monochrom schwarzen Bild „eclipse“ arbeitete sie
unter dem Rund von Sonne und Mond klare Strukturen hinein: Tiefen und Höhen, die eng
beieinander liegen.

Ihre gestern zum Auftakt der Frauenwoche eröffnete Ausstellung im Alten Rathaus lässt die
emotionale Seite des Weiblichen schwingen. Bei der 1957 in Kaschmir als Tochter eines
Inders und einer Polin geborenen Künstlerin, die seit gut einem Jahr in Potsdam wohnt und
arbeitet, gibt es kein wildes Aufbäumen. Sie meditiert in der Stille und erhebt dann mit
unverstelltem Blick klar ihre Stimme. Frauen mit ovalen schmalen Modigliani-Gesichtern
schauen fragend auf die Welt. Eine Mutter umschließt in nackter Schutzlosigkeit liebevoll ihr
Baby. Ihr Ausdruck spiegelt die Sorgen und Ängste aller Mütter: dass ihr größtes Glück
Schaden nehmen könnte. Sie wirkt selbst noch fast wie ein Kind, das umschlungen und
beschützt sein möchte.

Manche der mit wenigen Strichen gemalten Köpfe Goshas erinnern an Blüten. Am
Eindrücklichsten sind sie, wenn die Künstlerin schwungvoll, doch reduziert in das Wesentliche
vordringt. Gern schlägt sie dabei „florale Brücken“ zwischen Mensch und Natur. „Meine
Arbeit ist ein gemaltes Protokoll meiner Fragen, Sehnsüchte, Desillusionen und meines
Mitgefühls. Ich berühre die Zeit, und die Zeit berührt meine Arbeit“, schrieb die
Kosmopolitin, die in Japan Malerei und Kalligrafie studierte, und sich auch in ihrer Kunst nicht
eingrenzen will.

So hängen neben ihren früheren Arbeiten auf Papier und den unaufdringlichen Lithografien
ihre neuen Arbeiten in Öl. Mit dem Spachtel trägt sie inzwischen die Farben auf, in die sie
ihre Gedanken und Gefühle ritzt.  Ihre jüngsten Arbeiten sind oft fast monochrom: „wie die ,
Denkmalfarbe’ in meiner neuen Stadt“, sagt sie.

Während ihre drei großformatigen „White flowers“ eher dekorativ wirken, atmet das in
warmen Braun-, Grün- und Gelbtönen gehaltene „Triptychon“ eine geheimnisvolle Tiefe. Auf
dem ihrer Ausstellung den Titel gebenden Bild „reflective mind“ schälen sich fast gespenstisch
Figuren wie Schattenwesen heraus. Das zarte Licht scheint auf wie ein Kreuz der Hoffnung.
Baum, Vogel, Mensch – sie alle nähren sich aus der gleichen Quelle, wachsen und vergehen.
Davon erzählt Gosha, mit leisem Lächeln – mittendrin.

Zu sehen im Musikzimmer des Alten Rathauses, Di bis So 10 bis 18 Uhr.
01.10.08

Einen Rückblick auf 20 Jahre vietnamesische Migration in Potsdam gibt es am Samstag, dem 4.
Oktober, ab 14 Uhr im Bürgerhaus am Schlaatz. Bilder der indische Künstlerin Gosha
Nagashima-Soden werden ab Montag im Alten Rathaus zu sehen sein: Dort eröffnet
Sozialministerin Dagmar Ziegler 17 Uhr das Frauenkulturfestival 2008. Am Dienstag lesen
deutsch- und russischsprachige Autoren ab 18 Uhr im KIBuZ, Berliner Straße 148. Aquarelle
der Ukrainerin Uljana Scheremtjewa werden ab dem 10. Oktober in der Galerie Patschan auf
der Freundschaftsinsel gezeigt. Ausstellungseröffnung ist Freitag 18 Uhr. JaHa
30.04.2010 MÄRKISCHE ALLGEMEINE

Fliegender Teppich – fußfrei Kunst GOSHA Nagashima-Soden ist eine
„Blütenprinzessin“ ohne Länder- und Kulturengrenzen

Geografisch steht ihr Atelier mitten im Potsdamer Zentrum. Doch Besucher
reisen hier bis nach Japan .

Von lldiko Röd

Als Journalist sollte man besser die Augen offen behalten, wenn man jemandem zuhört –
schließlich muss man das Gehörte ja einigermaßen mitschreiben. Allen anderen Leuten jedoch
sei als „Gebrauchsanweisung“ für den Umgang mit GOSHA Nagashima-Soden angeraten:
einfach Augen zu – und zuhören. Denn es formen sich die schönsten Bilder vor dem inneren
Auge, wenn GOSHA von ihrem Leben erzählt. Man fühlt sich wie erste Reihe fußfrei auf dem
Fliegenden Teppich.

Das erste Bild zeigt ein Land mit Seen, an denen Pfahlhäuser stehen. Die Verkäufer kommen
mit ihren Waren auf Booten vorbeigeschippert. Monatelang hängen die dunklen
Monsunwolken über dem Land. Doch eines Tages bricht der Himmel plötzlich auf wie
ausgedörrte Erde. Überall Licht, Wärme. „Es ist wie ein Wunder – auf einmal öffnen sich alle
Blüten fast gleichzeitig“, erzählt GOSHA. Ihr Name bedeutet „Klang des Universums“. Ihre
Heimat ist Kaschmir. Dort wurde sie als Tochter eines Inders und einer Polin geboren. Beide
waren Künstler.

In den Bergen, zwischen Himalaya-Gipfeln, wuchs sie auf. Wenn der Monsun zu Ende ging, lief
sie auf die Bergwiesen und schaute zum Himmel. „Ihr Wolken, nehmt mich mit – von Berg zu
Berg.“

Letztlich wurde sie aber nicht von den Wolken in die Ferne getragen, sondern von ihrem
Kunststudium. „Meine Eltern sagten immer: Du kannst alles werden – wenn es nur Künstlerin
ist.“ In Japan hat sie studiert; voller Bewunderung für die Ästhetik des Landes. Hier hatte sie
erste Ausstellungen und noch heute beschriftet sie die Farbtiegel mit japanischen Zeichen. In
Tokio brachte sie 1985 ihren Sohn Toshi zur Welt („Mein größtes Kunstwerk.“), der nun in
London lebt und – klar – Künstler ist. In Japan erlebte sie oft die fast rauschhafte Kirschblüte.

Als sie dann vor drei Jahren nach Potsdam zog, bewegte es sie besonders, als sie an der
Havelbucht japanische Zierkirschen entdeckte. Sie trocknete die Blüten und vermengte sie
nach alter Tradition mit Salz. In grünem Tee entfalten sich die Blüten wieder. „Hier,
probieren Sie“, sagt GOSHA und nimmt das Schälchen vom Tisch, der unweit von
Töpferdrehscheibe und Staffelei steht. Durch die Atelierfenster geht der Blick in einen
Hinterhof, keinen Steinwurf von der Brandenburger Straße entfernt und doch wie eine
Oase. Das Haus ist eine Remise aus dem 18. Jahrhundert; immer noch voller Erinnerungen.
Die Einbuchtungen in der Küchenwand etwa – hier befanden sich einst Futtertröge. GOSHA
liebt die Historie. Genauso wie das „Unfertige“ von Potsdam. Dass alles noch im Fluss ist;
nicht so „vollendet“ wie Hamburg. Dort hatten GOSHA und ihr Mann, ein englischer
Fotograf, zuvor gelebt.

Das Künstlerleben: es mag romantisch wirken, aber es ist eine ständige Selbstbefragung, ein
Suchen und Sich-Fordern. Und manchmal ist es auch fast Alchemie. GOSHA ist nicht nur
Malerin und Keramikerin, sondern auch Glasmalerin. Volle zehn Jahre dauerte es, bis sie die
Farben-Formel für ihre Glasuren ausgetüftelt hatte: samtiges Grün, Karmesinrot, funkelndes
Gold. Kreationen, die wie Diamanten schillern. 17 000 Gläser sind bis jetzt entstanden; sie
stehen bei Sammlern, in Museen und bei Sotheby’s.

Ein letztes Bild aus fernen Welten: Als Kind musste GOSHA immer das Haar der
Kaschmirziege sammeln, das im Gestrüpp hängengeblieben war. Aus Kaschmirwolle werden
die kostbaren Paschminaschals gewoben. Stickerinnen verzieren sie in grenzenloser
Detailliebe. Sticken – Bemalen. Manchmal, sagt sie, sei der Unterschied gar nicht so groß.
Dann zündet sie die Teelichter in den bunten Gläsern an. Und genau in diesem Moment
sollten „blinde“ Zuhörer wieder ihre Augen öffnen. Denn durch den Lichtschein beginnen
sich die Farben zu entfalten. Wie Blüten.
Mit Blick für die Zärtlichkeiten Frauentagsbrunch mit GOSHA und ihrer Kunst

Von Claudia Krause

INNENSTADT Es war Liebe auf den ersten Blick, gesteht GOSHA Nagashima-Soden. Seit
einen Jahr lebt und arbeitet die Künstlerin in Potsdam. Eigentlich hatte sie nach ihrer
Hamburger Zeit mit ihrem Ehemann nach Berlin ziehen wollen. „Aber dann waren wir einen
Tag in Potsdam und blieben“, sagte sie gestern vor Journalisten. In der Remise in der
Dortustraße 55 trifft man die Frau inmitten von kunstvoll bemaltem Glas, von Bildern auf
Leinen und Papier. Man taucht ein in ein Reich von Küche und Kunst, von Stille und Licht –
und unglaublicher Gastfreundschaft.

Die 50-Jährige stellt sich ab dem 8. März (10 Uhr) erstmals mit einer Ausstellung vor.
Anlässlich der Brandenburgischen Frauenwoche ist die Tochter eines indischen Vaters und
einer polnischen Mutter mit einigen ihrer Arbeiten im Frauenzentrum in der Zeppelinstraße
zu sehen. GOSHA, die aufgrund ihrer Wurzeln schon „immer zwischen den Welten wanderte
“, ist der Hauptact des traditionellen internationalen Frauentagsbrunches, sagte Katrin
Winkler, Kulturchefin des Frauenzentrums.

GOSHA selbst bezeichnet sich als „eine Künstlerin, eine Malerin“, die sich von allem berührt
fühlt – von der Zärtlichkeit in der Stadt ebenso wie von den Klängen in den Straßen oder
dem filigranen Geflecht der Lampionblume. „Ich schaue auf die realen Dinge. Ich liebe, was ist
“, sagt sie. Zum Beispiel alle Jahreszeiten. Ihre „GOSHAglas“-Serien fangen mit zarten
Mustern und hellen Farben den Frühling und den Sommer ein, geht das Jahr zur Neige,
zaubert die Künstlerin eher kräftige Rot- und Goldtöne aufs Glas. Mit einer Kerze darin,
erfahren Muster und Farben bizarre Wandlungen. Ganz nach dem Geschmack der Künstlerin,
die die Dinge im Prozess mag. Nicht das Ergebnis sei ihr das Wichtigste, sondern der Weg
dorthin, die Erfahrungen, die sie etwa mit den Materialien – ihre Farben mixt sie meistens
selbst – macht.

GOSHA Nagashima-Soden ist in Kashmir und Polen aufgewachsen, hat Kunst in Tokio
studiert und ihre Sturm- und Drang-Zeit in Japan verbracht. Ihr Sohn, so sagt sie, sei „ihr
bestes Kunstwerk“.

Beim Frauentagsbrunch außerdem zu sehen: Der Film „Roots Germania“ von Mo Asumang.
Die Afrodeutsche ist Schauspielerin, Sängerin, Regisseurin und Synchronsprecherin. Bei
ProSieben moderierte sie von 1997 bis 2000 die Show „Liebe Sünde“. Nachdem die
Neonaziband „White Aryan Rebels“ mit der Textzeile „Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang“
zum Mord an der jungen Frau aufgerufen hatte, ging sie auf filmische Spurensuche. „Roots
Germania“ ist für den Adolf-Grimme-Preis 2008 nominiert und wird am 8. März um 13 Uhr
im Frauenzentrum und zeitgleich in anderen deutschen Städten gezeigt.
NAMEN & NACHRICHTEN

Unter dem Titel „Female Affairs – zwischen Kunst, Lust und Frust“ veranstaltet das
Frauenzentrum Potsdam in dieser Woche das 12. Festival der Frauen in Potsdam. Eröffnet
wird es um 17 Uhr im Musikzimmer des Alten Rathaus mit der Ausstellung „reflective mind“
von GOSHA Nagashima-Soden . GOSHA hat sich seit den letzten 25 Jahren der freien Kunst
gewidmet. Nachdem sie an der Jyoshibi College of Fine Arts in Tokyo studierte, zog sie nach
Hamburg und dann nach Potsdam, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Ihre Kunst ist eine
stimmige Kombination eines kreativen Geistes und Blickwinkels, einer sicheren Hand und
außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten. Von einfachen Bleistiftzeichnungen über tief
empfundene Leinwände voller reicher, Erdfarben über sorgfältige Lithographien und
Holzschnitten bis hin zu exquisiten Kerzenlichtern, die Schönheit mit Funktion kombinieren –
GOSHAs Arbeit entwickelt sich ständig.
Nicht nur Frauensache Gleichberechtigung Eröffnung des 12. Festivals „Female
affairs“ im Alten Rathaus

Die Eröffnung des Festivals der Frauen mit Knopfakkordeon und Bildern
verdeutlichte den Anspruch von Frauen – nicht nur in der Kunst.

Von Hanne Landbeck

INNENSTADT Frauen haben es auch in der Kunst schwerer, sagte Familienministerin
Dagmar Ziegler gestern zur Eröffnung des Festivals der Frauen im Alten Rathaus. Schwerer
als Männer, war damit gemeint, schwerer, Anerkennung zu finden, schwerer als sie, Familie
und Beruf miteinander zu verbinden. Das Festival „Female affairs“ biete aber die Gelegenheit,
zu zeigen, was Frauen können. Leidenschaft zu ihrer Arbeit sei ein verbindendes
Charakteristikum, sagte Ziegler und zitierte Käthe Kollwitz, die nie „eine Arbeit kalt gemalt“
habe, sondern gewissermaßen immer mit „meinem Blut“.

Diese besondere Hingabe war auch der Musik der Knopfakkordeonspielerin Sabine Raatz
anzuhören. Sie holte Töne aus ihrem Instrument, als kämen die direkt aus den Tiefen des
Meeres oder als seien sie mit dem Wind sehr weite und anregende Wege gewandert, um
hier in Potsdam zu landen.

Über das „Geschlechter-Paradox“ sprach, fast feministisch, Kulturamtsleiterin Birgit-
Katharine Seemann. Sie empfahl, dem aktuellen Geschlechterdiskurs, der wieder die
biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau betone, besonders kritisch zu begegnen.
Um so mehr freue sie sich über das Festival, das deutlicher Beweis der Landeshauptstadt sei,
dass sie Frauenkultur fördere.

„Zwischen Kunst, Lust und Frust“ lautet das Motto der „Female affairs“, auf dem Flyer ist
eine Frau mit Schutzbrille, locker auf den Kopf gesetzt, eine Zigarette im Mund, an einem
Webstuhl arbeitend. Lebenslust drückt das aus und eine Lässigkeit, die auf aktuelle Trends
pfeift.

„Ein gutes Kunstwerk spricht für sich“, sagte Laudatorin Almut Andrae, die die
kosmopolitische, seit einem Jahr in Potsdam lebende Künstlerin GOSHA Nagashima-Soden
vorstellte. Ein Teil des Werks der Malerin hängt an den Wänden des Musikzimmers:
Frauenporträts, manche davon in einem einzigen schwarzen Strich gemalt, heben sich vom
glutroten Untergrund ab und verbinden japanisch-leichte Ästhetik mit einer gewissen
Erdenschwere. Die „Serene woman“, die heitere Frau, schaut nach links aus schwarzdunklem
Hintergrund – und vermittelt dennoch einen Eindruck von Lässigkeit. Dieses Bild erinnert an
Werke des frühen 20. Jahrhunderts, aber GOSHA kann auch anders: Sehr reduziert erzählt
sie von (Strich-)Männchen und Blumen in einer vierteiligen Serie. „White Flowers“ heißen
die aus einer Schicht heller Ölfarbe herausgekratzten Blumen. Immer grüßt auch Japan aus
den Bildern.

Kein Wunder, die 1957 in Kaschmir geborene Künstlerin lebte neun Jahre in Japan, wo sie
Kunst studierte. Von diesem Einfluss wissen auch die hauchleichten Glasmalereien, die im
Fenster mit dem Licht eine harmonische Verbindung eingehen. Gräser biegen sich im Wind
wie Feuer und zeugen als „Walking in Potsdam“ von hiesigen Eindrücken – zu Kunst gemacht.
Sphärisches Rauschen und filigrane Muster Kunst Märkische Ateliers öffnen ihre
Türen

Von Anne Mareile Moschinski

POTSDAM Seine Werke sind weder plastisch noch greifbar: Sphärisches Rauschen mischt
sich unter schrille Synthesizer-Melodien. Allmählich formen sich aus den Klängen Harmonien,
Rhythmen entstehen. Manolo Firenze gehört zu den Ausnahmekünstlern, die in diesem Jahr
an der landesweiten Veranstaltungsreihe „Offene Ateliers“ teilnehmen. Der 29-Jährige ist
Tonkünstler und präsentiert Besuchern ausschließlich Akustisches.

Damit unterstreicht der Potsdamer den Anspruch des Kunstwochenendes, das am 2. und 3.
Mai in neun Landkreisen, in Potsdam, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) über
die Bühne geht: Eine möglichst breite künstlerische Palette soll in den 350 Ateliers zu sehen
sein, die dann ihre Türen öffnen. Neben klassischer Malerei gibt es Gartenkunst,
Theaterstücke, Performances und Lesungen. „Dadurch entstehen Netzwerke. Künstler
tauschen sich aus, knüpfen Kontakte zu potenziellen Käufern“, so Brigitte Faber-Schmidt, die
als Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg das Kunstwochenende gemeinsam mit den
Kulturverwaltungen des Landes organisierte.

Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr einen Busshuttle, der im Landkreis Uckermark alle
teilnehmenden Galerien abfährt. In Potsdam können Interessierte an einem
Atelierspaziergang teilnehmen, der von Kunsthistorikerin Almut Andreae begleitet wird.

Im Atelier von GOSHA Nagashima-Soden sollen Besucher zur Ruhe kommen. „Ich möchte
den Menschen Momente der Stille schenken, meine Kunst spricht für sich“, sagt die
Potsdamer Künstlerin, die in Kaschmir und Polen aufwuchs und in Tokio

studierte. Der Wechsel zwischen den Kontinenten hat Spuren in ihrem künstlerischen Werk
hinterlassen: Trinkgefäße und Glasschalen hat sie mit Perlen besetzt und filigranen, asiatischen
Mustern bemalt.

www www.kulturland-brandenburg.de, www.potsdam.de und www.bahn.de/streifzuege
Potsdam Darling Lektüre Goldiger Stadtführer mit persönlichen Tipps

Von Claudia Krause

Bücher über Potsdam, so möchte man meinen, gibt’s genug. Ein besonderes hat das
Designbüro „Riksha+“ herausgegeben: „Potsdam Darling“. Die zweisprachige Veröffentlichung
(Deutsch/Englisch) präsentiert im Goldeinband 48 Empfehlungen in den Bereichen Kultur,
Gastronomie, Shopping und Freizeit. Glanzlichter werden vorgestellt und Geheimtipps
verraten. Nett ist die Idee, jedes Kapitel von einer Person einleiten zu lassen, die einen
besonderen Bezug zu den beschriebenen Inhalten hat.

So entführt uns die Wiener Stylistin Sylvie Trénous in die Shoppingwelt. „Potsdam ist En
Vogue“, meint die Weltgewandte, die als Farb- und Stilberaterin in London, Paris und New
York unterwegs ist. Am liebsten aber schlendere sie durch die „reizenden Straßen Potsdams
“. Hier gibt sich die Stylistin gern dem „Kauf-rausch“ in der Lindenstraße 16 hin und verfällt
der „Kauflust“ in der Brandenburger Straße 18, wo es Kleidung und Accessoires gibt –
trendig, witzig, weltoffen. Im „Maliné“, dem Hutatelier in der Jägerstraße 36, rühmt Trénous
die „hochwertige Handarbeit aufwendiger Couture-Kreationen“. Poesie zum Anfassen
verbindet sie mit dem Angebot bei „Noa Noa“, dem dänischen Designerlädchen in der
Jägerstraße 33.

In bemerkenswerte Kunsttempel will Anja Kozik, die Choreografin und Regisseurin der
Dance Company „Oxymoron“, lenken – ins neue Hans-Otto-Theater oder in den
Nikolaisaal. Zu ihren Lieblingsstätten zählen auch Kunstraum, Fabrik und Museum Fluxus+ in
der Schiffbauergasse. Hingerissen ist sie von GOSHA Nagashima-Soden, die Galerie und
Kunstatelier in einer „alten, zauberhaften Remise“ in der Dortustraße 55 betreibt. Besonders
begehrt ist das handbemalte „Goshaglas“, beliebt der belebende Tee aus selbst gezogenen
Kräutern. Wer individuelle und spontane Stadtführungen liebt, dem legt die Tänzerin den 25-
jährigen Stadtführer und Geschichtsstudenten Peter Degener ans Herz.

Wer genug gelaufen ist und rasten möchte, tut es auf Empfehlung von Martin Ottawa, der als
Barista am Espressomobil am Nauener Tor steht, am besten im „Backstoltz“ in der
Dortustraße 59 oder im „Lapis Lazuli“ in der Benkertstraße 21. Für die gute und noch
bessere Gourmetküche empfiehlt er etwa das India Haus in der Lindenstraße 65, das „Il
Teatro“ in der Schiffbauergasse, das Bayrische Haus im Wildpark und „Juliette“ in der
Jägerstraße39.

Segelprofi Arne Weise kennt wunderbare Entspannungsoasen: In der „Haarwerkstatt“,
Friedrich-Ebert-Straße 26, „wird der Friseurbesuch zum Kurzurlaub“ und im „Float“,
Hegelallee 53, schwebt der Körper auf wohligem Salzwasser. Weise weist zur Marina am
Tiefen See ebenso gern wie zur Bootsvermietung Moisl am Strandbad Templin. Als
anspruchsvoll preist er den Kletterfelsen Barbarine in der Waldstadt und den Kletterpark in
der Albert-Einstein-Straße
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